Die Folgen des Klimawandels in Bolivien

Bolivien ist das zweitverletzlichste Land Südamerikas und liegt weltweit auf Platz fünf der Länder, die am wenigsten gegen die Folgen des Klimawandels gewappnet sind.[1] Das Programm der Vereinten Nation für Entwicklung (PNUD) hat 2014 einen Bericht veröffentlicht, in dem bereits davor gewarnt wurde, welche Folgen Bolivien durch den Klimawandel erleiden würde, obwohl es eines der Länder ist, die am wenigsten zu diesem Phänomen beitragen.[2]

Laut einiger Studien des Weltklimarats (IPCC) werden sich die zentralen Folgen vor allem in der Ausweitung der Trockenzeit und längeren Dürreperioden, der Zunahme extremer Niederschläge und Überschwemmungen und in der hohen Wahrscheinlichkeit einer Verstärkung des Phänomens „El Niño“ zeigen.

Bolivien zeichnet sich neben seiner kulturellen vor allem durch seine geographische und ökologische Vielfalt im Amazonasgebiet, den Täler, dem Chaco und dem Hochland aus. In jeder dieser geographischen Regionen zeigen sich verschiedene Faktoren, die die Folgen des Klimawandels noch verstärken.

Im Amazonasgebiet verschlechtert die veränderte Bodennutzung die Bedingungen. Vor allem die Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfläche und der Anbau von Monokulturen (Soja, Sonnenblumen, etc.), die für den Export bestimmt sind, verstärken die negativen Folgen des Klimawandels. Es lässt sich auch die Tendenz erkennen, dass aufgrund von Brandrodung, allgemeiner Abholzung und unkontrollierten Ansiedlungen die Stärke und Häufigkeit von Überschwemmungen zunehmen.

In den andinen Tälern zeigen sich die Folgen in höheren Temperaturen[3] als in den vergangenen Jahrzehnten, stärkeren und intensiveren Niederschlägen (Hagel), aber auch in Problemen des Zugangs zu Wasser aufgrund von Erosion und Dürren. Diese verursachen hauptsächlich in der für den lokalen Markt[4] betriebenen Landwirtschaft Probleme und gefährden dadurch auch die Einkommen der Bauernfamilien, was wiederum die Abwanderung in die großen Städte verstärkt. Eine weitere Folge des Temperaturanstiegs in den Tälern ist das Aufkommen von Gelbfieber und anderen tropischen Krankheiten.

In der Region des Chaco sind ebenfalls neue Höchstwerte der Durchschnittstemperatur gemessen worden. Es gibt weniger Wasser, was die Viehwirtschaft in der Region vor große Probleme stellt.

Im Altiplano und den Cordilleras zeigen sich ebenfalls ein Temperaturanstieg sowie Änderungen in den Niederschlägen und im Wasserkreislauf sowie in der Gletscherschmelze[5]. Diese ist die sichtbarste Folge des weltweiten Klimawandels, die bekanntesten Beispiele sind der Verlust des Gletschers am Chacaltaya (2015) und das Austrocknen des Poopó-Sees (2016), dem zweitgrößten See im bolivianischen Hochland nach dem Titicacasee.

Diese Situation stellt Bolivien vor große Herausforderungen. Wir sind der Bedrohung durch Dürren, Überschwemmungen und Waldbrände ausgeliefert. 2005 und 2010 haben wir sehr schlimme Dürren erlebt und die Waldbrände in der Trockenzeit und die zusätzliche Brandrodung waren ein ernstes Problem vor einigen Jahren. Das Wetterphänomen „El Niño“ kommt immer häufiger vor und hat Auswirkungen auf Ernährungssicherheit, Gesundheit, Migration, Armut und wirtschaftliche Entwicklung.

Auch wenn Bolivien in den letzten zehn Jahren durch die hohen Steuereinnahmen aus dem Rohstoffexport wirtschaftlich sehr erfolgreich war, hat die Politik diese Einnahmen nicht verwendet, um Investitionen zu tätigen, um die Folgen des Klimawandels abzuschwächen oder sich daran anzupassen.

Die katholische Kirche Boliviens hat sich mit ihrem Pastoralschreiben „Das Universum - Gotte Gabe für das Leben“ im Jahr 2012 auf richtungsweisende und überlegte Art an der Debatte zur Bewahrung der Schöpfung beteiligt. Zudem hat sie sich selbst wichtige Verpflichtungen zum Umweltschutz auferlegt, denn schließlich sei es die Aufgabe eines jeden Christen, sich der Bewahrung der Schöpfung anzunehmen.

Die Enzyklika von Papst Franziskus bestärkt uns noch mehr in dieser Aufgabe. In der Bolivien-Partnerschaft wird sie durch die „Allianz für die Schöpfung“ erfüllt. Diese umfasst eine Reihe von Aktionen auf persönlicher, Gemeinde-, nationaler und internationaler Ebene, um zum Schutz unserer Umwelt und zur ganzheitlichen menschlichen Entwicklung beizutragen, die im Evangelisierungsauftrag der Kirche inbegriffen sind.

Nach einem Beitrag von Juan Carlos Núñez/Stiftung Jubileo, La Paz.


[1] Laut einer Studie des Programms ND-GAIM Country Index der Initiative zur globalen Anpassung der Universität Notre Dame, Indiana/USA.

[2] Der Klimadatenbank CAIT zufolge hatte Bolivien 2004 mit 0,04 Prozent einen der geringsten Anteile an den weltweiten Treibhausgasemissionen.

[3] Laut François ist die Durchschnittstemperatur in vielen Regionen Boliviens in den letzten 25 Jahren zwischen 0,08 und 0,34 Grad Celsius gestiegen. Prognosen zufolge werden die Temperaturen bis 2030 um ein bis zwei Grad Celsius, bis 2100 um fünf bis sechs Grad ansteigen.

[4] Laut einer Studie des bolivianischen Agrarforschungszentrums CIPCA ist die Kartoffelernte sehr gering. Die Erträge beliefen sich z. B. 2013/14 auf 3,74t/ha. Es wird geschätzt, dass die Erträge dieses Jahr aufgrund der geringen Niederschläge sinken und nur noch bei 3t/ha liegen.

[5] Experten schätzen, dass in den letzten 50 Jahren 63 Prozent der Gletscher der tropischen Anden, die Teile von Kolumbien, Venezuela, Peru, Ecuador und Bolivien umfassen, durch den Klimawandel unwiderruflich verloren gegangen sind.