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Zweite Infektionswelle in Bolivien

Während in Deutschland im vergangenen Herbst die Zahlen wieder deutlich anstiegen, blieb es in Bolivien lange ruhig. Seit Dezember steigen jedoch auch in unserem Partnerland die Zahlen wieder an – Bolivien befindet sich am Beginn der zweiten Infektionswelle. Zurzeit liegen die täglichen Neuinfektionen offiziell bei ca. 1.500 / Tag (zum Vergleich: auf die deutsche Bevölkerung hochgerechnet entspräche das ca. 12.000 täglichen Neuinfektionen), es ist aber von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Schwerpunkt des Infektionsgeschehens ist, wie schon bei der ersten Welle, die Region Santa Cruz. Außerdem stark betroffen ist die Stadt El Alto. In beiden Städten melden viele Krankenhäuser, keine freien Intensivbetten mehr zu haben. Es wächst die Angst, dass sich die Zustände aus der Zeit der ersten Welle wiederholen könnten. Viele Menschen mussten damals an den Türen der Krankenhäuser abgewiesen werden, weil es keine freien Betten und Medikamente mehr gab.

Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung, wie sie noch im März angewandt wurden, soll es dieses Mal nicht geben: der erste Lockdown im Frühjahr hat das Land in eine schwere Wirtschaftskrise gestürzt. Die linksgerichtete Regierung unter Präsident Luis Arce möchte eine weitere Verschärfung der wirtschaftlichen Lage vermeiden und stattdessen auf mehr Tests und eine baldige Impfkampagne setzen. Die Opposition kritisierte das Vorgehen der Regierung als zu lasch und forderte strengere Maßnahmen.

Derzeit sind weiterhin das Tragen von Masken in öffentlichen Gebäuden und das Social Distancing verpflichtend, werden aber kaum noch eingehalten – Pandemiemüdigkeit macht sich breit. Im Gegensatz zu Firmen und Arbeitsstätten bleiben die öffentlichen Schulen auch noch nach dem 1. Februar geschlossen. Nach Ansicht vieler Bildungswissenschaftler birgt diese Maßnahme, ähnlich wie in Deutschland, die Gefahr, die vorhandene Bildungsungleichheit zu verschärfen. Einige Regionen und Städte erlassen eigene Beschränkungen wie ein Verbot für Alkoholausschank oder die Schließung von Bars und Restaurants.

Die verschiedenen politischen Lager geben sich gegenseitig die Schuld für den späten Start der Impfkampagne. Losgehen soll es im März, wenn die ersten größeren Lieferungen, hauptsächlich bestehend aus dem russischen Impfstoff Sputnik V, erwartet werden.

Ungeklärt sind bisher die Auswirkungen auf die Regionalwahlen. Bisher vorgesehener Termin ist der 7. März. Es wird über eine mögliche Verschiebung nachgedacht, falls die Fallzahlen nicht sinken sollten. Nach den Präsidentschaft- und Parlamentswahlen Ende des vergangenen Jahres wären diese die zweiten bedeutenden Wahlen, die wegen der Pandemie verschoben werden müssten.

Gemeinsam gegen COVID-19: Mit den Partnern die Betroffenen in Bolivien unterstützen!

Erfahren Sie hier, wie die Bolivienpartnerschaft des Bistums aktiv wird.