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Kinderarbeit und Bildung

Im Jahr 2014 erlaubte das bolivianische Parlament nach einer mehrmonatigen Debatte die Arbeit von Kindern. Das Gesetz regelte den Zugang zum Arbeitsmarkt für Kinder ab zehn Jahren, z.B. als Schuhputzer oder fliegender Händler. Das bedeutete z.B. Schutz vor finanzieller und körperlicher Ausbeutung.

Kinderarbeit wird in Bolivien nicht per se als gut angesehen, das vorrangige Ziel bleiben Schulbesuch und Ausbildung. Viele Kinder sind in Bolivien aber darauf angewiesen zu arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen und ihren Schulbesuch zu finanzieren. Ein Verbot hilft also nicht weiter.

In Bolivien gibt es schätzungsweise 850.000 Kinder, die sich, wie in anderen Ländern Lateinamerikas, zu Gewerkschaften zusammengeschlossen haben. Sie waren maßgeblich an der Erarbeitung des Gesetzes beteiligt.

International stieß das Gesetz aber auf wenig Verständnis. Vor allem die ILO (International Labour Organization) und Unicef äußerten sich entsetzt. Beide Organisationen treten seit vielen Jahren für ein Ende von Kinderarbeit und für Bildungschancen ein. Auch die Vereinten Nationen verfolgen das Ziel, sämtliche Formen der Kinderarbeit bis 2025 zu beenden.

Als dann auch noch die USA mit der Aberkennung von Zollvorteilen drohten, gab die sozialistische Regierung unter Evo Morales dem internationalen Druck nach und nahm große Teile des Gesetzes zurück. Seit 2018 dürfen Kinder unter 14 Jahren nicht mehr arbeiten.

Das Problem der Kinderarbeit wird dadurch natürlich nicht gelöst. Vielmehr werden die gleichen Kinder fortan illegal arbeiten, also ohne rechtliche Grundlage sich zu organisieren und ihre Grundrechte einzufordern.

Ein "ehrliches" Gesetz

Ein Gesetz zur Kinderarbeit würde der Realität der großen Zahl von arbeitenden Kindern gerecht. Dass die Kinder so vieler Familien wegen der Armut ihrer Eltern arbeiten müssen, wird nicht dadurch gelöst, dass diese Arbeit kriminalisiert wird. Die Kindergewerkschaft fordert zurecht Anerkennung und Respekt für die Leistung der Tausenden von Kindern, die auf dem Land wie in den städtischen Zonen in vielen Bereichen tätig sind.

Ein anderes Gesetz, das für Kinder von zentraler Bedeutung ist, regelt die Schulpflicht. Doch gerade das Thema Bildung bringt die arbeitenden Kinder in eine Zwickmühle:

Einerseits bleibt vielen Kindern durch die Arbeit kaum Zeit, regelmäßig zur Schule zu gehen oder die Hausaufgaben zu machen, so dass sie schwache Leistungen zeigen oder sogar ein Schuljahr wiederholen müssen. Studien belegen, dass das Einkommen eines Erwachsenen umso geringer ausfällt, je früher er in der Kindheit angefangen hat zu arbeiten. Auch brechen arbeitende Kinder und Jugendliche wesentlich häufiger die Schule vor dem Abschluss ab als ihre Altersgenossen, die nicht arbeiten. Somit ist ein Durchbrechen des Teufelskreises der Armut fast unmöglich. Denn ohne Schulabschluss ist auch keine Ausbildung möglich. Doch da auch ein Universitätsabschluss noch lange keinen Garant für einen sicheren Arbeitsplatz ist, bevorzugen viele den direkten Einstieg ins Arbeitsleben.

Andererseits aber ermöglicht die Arbeit vielen Kindern und Jugendlichen erst den Schulbesuch. Die staatlichen Schulen Boliviens erheben zwar keine Schulgebühren, doch die Kosten für die erforderliche Schuluniform, Lernmaterialien und die Busfahrt – besonders auf dem Land müssen häufig weite Strecken zurückgelegt werden, um zur nächsten Schule zu gelangen – stellen die Familien vor eine große finanzielle Herausforderung. Staatliche Unterstützung gibt es kaum und die geringen Einkommen der Eltern reichen häufig nicht einmal, um die Familie ausreichend zu ernähren. Somit ist die Arbeit die einzige Chance der Kinder auf Bildung. Diese Herausforderung gilt auch nach der Schule. Denn selbst wenn sich die Jugendlichen zu einer Ausbildung oder einem Studium entschließen, sind diese mit erheblichen Kosten verbunden.

Kinderrechtsbewegungen weltweit sehen in der Finanzierung von Schul- und Ausbildung den Hauptgrund, weshalb Kinderarbeit überall erlaubt sein müsse und verweisen auf die weiteren positiven Aspekte ihrer Arbeit: sie sammeln erste Berufserfahrung, stärken ihr Selbstbewusstsein und haben Spaß an der Arbeit.

Alternativen aufzeigen

Die Situation ist kompliziert. Auch wenn die Armut in den letzten Jahren reduziert werden konnte, ist sie doch immer noch ein zentrales Problem. Daher werden die Kinder und Jugendlichen weiter arbeiten, um ihr Recht auf Bildung einfordern und überleben zu können. Die Projekte der Bolivienpartnerschaft des Bistums Trier wollen deshalb einen Beitrag dazu leisten, den Jugendlichen Zukunftsperspektiven aufzuzeigen und ihnen eine würdevolle Arbeit zu ermöglichen.
Lernen Sie hier Wilson kennen, der als Schuhputzer in La Paz sein Geld verdient.