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Caminando juntos - Gemeinsam unterwegs

Partnerschaft der Kirchen von Trier und Bolivien

Aktuelles

Verheerende Waldbrände in Bolivien

Der Amazonasregenwald brennt - nicht nur in Brasilien. Auch in Bolivien, insbesondere im Departamento Santa Cruz, stehen riesige Flächen in Flammen. Vielerorts sind die Feuer weiterhin außer Kontrolle.Bürgerrechtler*innen befürchten, dass - abgesehen von den gesundheitlichen Schäden beim Menschen - viele Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verschwinden. Das bedroht wiederum die Existenzgrundlage indigener Völker vor Ort.

Der größte Teil der Feuer ist menschengemacht. Ein vor wenigen Wochen erlassenes Dekret von Staatspräsident Evo Morales erlaubt die Abholzung durch Brandrodung in den Departamentos Santa Cruz und Beni. Klimabedingte Dürreperioden verstärken die Brände und lassen die Feuer außer Kontrolle geraten.

Kirchenvertreter in Lateinamerika, wie der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM, rufen die Verantwortlichen zum Handeln auf. Auch die bolivianischen Bischöfe haben landesweit zur Unterstützung der meist freiwilligen Brandbekämpfer*innen und zu Sach- und Geldspenden für betroffene Familien und Gemeinden aufgerufen. Das Bistum Trier stellte eine Soforthilfe von 10.000 Euro für das Partnerland zur Verfügung.

Wenn Sie die Initiativen vor Ort unterstützen möchten, können Sie das über das Spendenkonto Bistum Trier, Bolivienpartnerschaft, IBAN: DE62 3706 0193 3007 8480 47, Spendenvermerk: 300 132.

  • An das pilgernde Volk Gottes in Santa Cruz

    Solidarität mit den Betroffenen in der Chiquitanía und Gebetstag für unser Gemeinsames Haus

    Liebe Brüder und Schwestern,

    Mit Trauer und Schmerz sehen wir zu wie wieder einmal unser Gemeinsames Haus durch die Waldbrände in der Chiquitanía und in El Chaco tödlich verletzt wird, mit enormen Schäden für die menschliche Gesundheit, die Lebensformen der indigenen Völker, die Biodiversität und die Bereitstellung von Umweltdienstleistungen. Die Brände, die die genannten Zonen, Nationalparks und subnationalen Parks betreffen, haben Auswirkungen auf ganz Bolivien und über die Landesgrenzen hinaus.

    Als Christen können wir demgegenüber nicht gleichgültig bleiben, besonders, da wir uns auf die Amazonas-Synode in Rom im Oktober nächsten Jahres vorbereiten – eine Veranstaltung, die uns verpflichtet, unser Gemeinsames Haus zu schützen, wozu uns auch die Pastoralen Briefe der Bischofskonferenz über Erde, Wasser und Umwelt aufrufen.

    In diesem Sinne fordere ich Sie auf, Zeugnis der solidarischen Kirche gegenüber den von den Bränden betroffenen Familien und Gemeinden abzulegen, indem Sie Ihre Spenden an die „Secretaria Departamental de Seguridad Ciudadana – Centro de Operaciones de Emergencia Departamental“ (örtliche Katastrophenschutzbehörde) der Stadtverwaltung in der Avenida Alemana / 4. Ring, Santa Cruz überweisen.

    Außerdem bitte ich Sie, am kommenden Sonntag, 25. August, einen Gebetstag für unsere betroffenen Geschwister zu veranstalten, um Regen zu bitten und das Bewusstsein für den Schutz unseres Gemeinsamen Hauses zu schärfen. Ich schätze die Initiativen der Gemeinden, pädagogischen Einheiten und anderen kirchlichen Orte zur Stärkung der Solidarität und der Sensibilisierung sehr. Sie sind sichtbare Zeichen der Nächstenliebe und der Gerechtigkeit der Kirche.

    Neben der humanitären Hilfe, die dieser Notfall notwendig macht, dürfen wir nicht aufhören, unsere prophetische Mission auszuüben und auf die Ursachen dieser Desaster aufmerksam zu machen. Wir erachten das Dekret „Decreto Supremo N. 3973“ der nationalen Regierung von Juli des letzten Jahres für unverantwortlich. Es erlaubt „kontrollierte“ Brände, ohne Bedingungen und Instrumente zur Verfügung zu stellen, die die Kontrolle gewährleisten, was die illegale Brandrodung fördert. Andererseits ist es ein offensichtliches Zeichen von Unwissenheit über die Auswirkungen davon, dass zu dieser Jahreszeit im Osten Boliviens starke Winde in Kombination mit langen Dürreperioden auftreten.

    Es bleiben Zweifel über die wahren Gründe der jüngsten Siedlungen in der Chiquitanía, die versuchen, Gebiete, die bisher mit Wald bewachsen sind, in landwirtschaftliche Gebiete umzuwandeln. Wir halten diese Mittel für einen Ausdruck kapitalistischer Logik und eines in höchstem Maße konsumistischen Entwicklungsmodells, das die Natur ausbeutet und sich in unserem Land in Wasserkraftprojekten, die Ausweitung der landwirtschaftlichen Fläche auf Kosten der Natur, den Bau von Schnellstraßen und der alten extraktivistischen Logik manifestiert.

    Wir hoffen, dass die Unterstützung unserer Initiativen in Allen ein größeres Bewusstsein dafür erwachen lässt, dass das Schicksal der gegenwärtigen und der zukünftigen Generationen auf engste Weise mit dem Fortbestand von Gottes Schöpfung, der Natur, zusammenhängt und dass wir alle entschieden für den Erhalt der Schöpfung eintreten.

    Im Gott des Lebens.

     

    Santa Cruz, 22 August 2019

    Mons. Sergio Gualberti

    Erzbischof von Santa Cruz

  • Auszüge aus der Botschaft vom Treffen der Bischöfe mit den Völkern und Gemeinschaften der bolivianischen Amazonien

    Unser gemeinsames Haus steht in Flammen

    Unser gemeinsames Haus ist zu Tode verwundet, weil über eine Million unseres amazonischen Waldes vom Feuer verzehrt werden. Die entstandenen Schäden sind enorm, wenn auch noch gar nicht kalkulierbar; sie betreffen die Gesundheit der Menschen, das Leben der indigenen Gemeinschaften, die Biodiversität und die „Dienstleistungen“ der Natur.
    [...]

    Aufgrund der Erkenntnis, dass diese Katastrophe Ergebnis menschlichen Handelns ist, müssen wir deren Ursachen offen benennen und so unserer prophetischen Sendung gerecht werden. Das Dekret Nr. 3973, das die Nationalregierung im Juli letzten Jahres erlassen hat, erscheint uns in diesem Zusammenhang unklug, ja unverantwortlich, denn es erlaubt „kontrollierte“ Brände und Rodungen von Waldflächen ohne Bedingungen oder Mechanismen dafür zu benennen, wie eine wirksame Kontrolle solcher Maßnahmen erfolgen könnte; dadurch werden illegale Brandrodungen gefördert. Das Dekret ist überdies unüberlegt und bezeugt die Unkenntnis über die starken Winde und die lange, jahreszeitlich bedingte Trockenheit im östlichen Tiefland Boliviens. Dabei kommen uns ernsthafte Zweifel bezüglich der Gründe für die jüngsten Ansiedelungen von Personen in der Amazonien-Region, die anscheinend zum Ziel haben, Waldgebiete in Ackerland zu verwandeln [...].

    Wir halten all dies für den Ausdruck einer - auch in unserem Land vorherrschenden - Logik des technokratischen und der Mutter Erde gegenüber aggressiv auftretenden Kapitalismus und eines auf Konsum basierenden Entwicklungsmodells. Dieses plündert die Natur aus und manifestiert sich in großen Staudamm-Projekten, der Ausbeutung von Erdöl und Erdgas, der Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen zu Lasten des Waldes, dem zerstörerischen Bau von Straßen und der alten Logik der Ausbeutung natürlicher Ressourcen. All diese Maßnahmen sind ein Attentat auf die Rechte der indigenen Völker. [...].

    Als Kirche verbinden wir uns deshalb in Solidarität mit dem Schmerz und dem Schrei der Erde und der Bewohner!nnen dieser Territorien, besonders mit den indigenen Völkern, den Wächterinnen und Wächtern unseres Gemeinsamen Hauses. [...].

    Wir bitten alle Autoritäten sowie die nationale Regierung, unverzüglich die nötigen Mittel für die Bekämpfung der Brände zur Verfügung zu stellen. [...]. Wir verlangen von der Nationalregierung, die von den Bränden betroffenen Waldregionen zu Schutz-Zonen zu erklären, denen eine ökologische Pause zugestanden wird. Wir verlangen ein absolutes Verbot, dort Pflanzungen anzulegen - mit Ausnahme von Aufforstungsmaßnahmen - oder Rohstoffe zu fördern. Außerdem muss die Erlaubnis für Brandrodungen unverzüglich zurückgenommen werden. Zugleich muss eine Untersuchung der erteilten Genehmigungen erfolgen, die es erlaubt, rechtliche Sanktionen gegen die Verantwortlichen dieser amazonischen Katastrophe zu verhängen.

    Im Gebet verbinden wir uns mit Gott, dem Schöpfer, und bitten für die geschädigten Geschwister; wir flehen um Regen und um unser aller Bewusstsein für die Sorge um unser Gemeinsames Haus.

    Cochabamba, 25. August 2019.

    Die Kirche in der bolivianischen Amazonien-Region

    (Übersetzung aus dem Spanischen: Dietmar Müßig)

  • Angesichts des Desasters im Wald der Chiquitanía

    Bitte um internationale Hilfe für Bolivien

    Vor 41 Tagen sind die Waldbrände in der Region Chiquitanía außer Kontrolle geraten und haben bis heute 2 Millionen Hektar (Stand 25. Juli - 3. September) Land verschlungen, ein weltweit einzigartiges Waldgebiet und Teile des Amazonaswaldes zerstört. Die lokale und nationale Bevölkerung sieht ohnmächtig zu, wie die Regierung, statt ihre Kräfte für das Löschen der Feuer einzusetzen und um internationale Hilfe zu bitten, sich bis heute weigert, den nationalen Notstand auszurufen und stattdessen eine große und sehr teure politische Propagandamaschine um dieses Desaster in allen Medien aufbaut, während das Feuer seine Zerstörung fortsetzt.

    Die indigenen Völker und das gesamte bolivianische Volk, wir schauen mit Schmerzen zu, wie die Quellen unseres Lebens aufgebraucht werden und unser Lebensraum verschwindet. Aber wir sehen auch, wie diese Gewalt von der Regierung ausgeht, denn die Brände sind Teil einer Agrarpolitik der Regierung, deren Ziel die Herstellung von Biokraftstoff ist, was bereits Ende 2018 mit den großen Agrarindustriellen im Osten Boliviens ausgehandelt wurde. Für die Verfolgung dieser Politik hat die Regierung das Gesetz 741 zur Ausweitung der Abholzung erlassen und außerdem das Dekret 3973, das Brandrodung autorisiert – für den Export von Fleisch nach China und für die Einrichtung künstlicher Eukalyptuswälder. Dazu hat sich die Regierung vorgenommen, jedes Jahr 1 Million Hektar abzuholzen, große Flächen an die großen Agrarfirmen zu vergeben, die Ansiedlung neuer Ortschaften zu begünstigen in Gebieten, in denen traditionell Indigene leben, wo sie sich hauptsächlich in den Zonen niedergelassen haben, in denen die aktuellen Brände begonnen haben.

    Diese Politik der Regierung impliziert die Verfolgung der indigenen Völker und unterlässt Hilfeleistungen für Indigene und für Wälder. Im Gegenteil, sie hört auf ihren Verbündeten, den Agrobusiness, der ihr, bezogen auf die Forderungen nach Annullierung des Dekrets 3973 (das die Brandrodung erlaubt), empfohlen hat, nicht „den Goldesel umzubringen“. Das ist ein klarer Hinweis auf die Mittäterschaft der Regierung, um weiterhin den Wald anzünden zu können, ohne Rücksicht auf das Leben seiner Bewohner, um kapitalistische Interessen zu verfolgen.

    Daher sehen wir uns gezwungen, internationale Institutionen um Hilfe zu bitten, damit sie uns helfen, den weltweit einzigartigen Wald der Chiquitanía zu retten, aber auch, damit sie wissen, dass wir indigenen Völker allen Arten von Gewalt unterworfen werden, um uns von unserem Land zu vertreiben, wo die Quellen unseres Lebens in Würde liegen.

    Deshalb fordern wir:

    1. Ausrufung des nationalen Notstandes, damit internationale staatliche und zivile Hilfe im Land ankommen kann, um die Feuer so schnell wie möglich mit angemessener Ausrüstung, wie Löschflugzeugen und –hubschraubern und qualifiziertem Personal, zu löschen.
    2. Ausrufung einer Pause zur Regenerierung der Umwelt, damit sie sich von den Schäden des Extraktivismus erholen kann, und insbesondere für die natürliche Regenerierung des Waldes. Das beinhaltet die Bestandsaufnahme nach den Bränden und die zugehörige wissenschaftliche Arbeit, unter Berücksichtigung des traditionellen Wissens der Indigenen in der Region.
    3. Wir weisen die Wiederaufforstungspläne der Regierung zurück, die nach ihrer oben erwähnten Waldpolitik darin bestünden, Eukalyptus zur Papierherstellung zu pflanzen.
    4. Stopp aller laufenden landwirtschaftlichen Aktivitäten, die öffentliche Flächen betreffen, und die Erhebung der Siedlungen und vom INRA (Nationales Institut für Agrarreformen) vergebenen Mittel. Das muss mit Teilnahme von Vertretern der Zivilgesellschaft geschehen.
    5. Veröffentlichung des Registers der Land- und Gutsbesitzer auf nationaler Ebene durch das INRA.
    6. Aufhebung des Gesetzes 741 und des Dekrets 3973, die die Brandrodung erlauben.
    7. Aufhebung der Politik der Produktion von Biokraftstoffen.
    8. Berücksichtigung der realen Bedürfnisse jedes Ortes, der Bevölkerung, der betroffenen örtlichen Gemeinschaften, unter Kontrolle von Repräsentanten der Betroffenen und in gemeinsamem Beschluss mit diesen. Der Plan zur Restaurierung muss in verantwortungsvoller Form mit verschiedenen Repräsentanten und Autoritäten erstellt werden.
    9. Wir fordern Sicherheitsgarantien im Hinblick auf die in der letzten Zeit zunehmenden Drohungen durch der Regierung und Agrobusiness-Unternehmen nahestehende Personen und Organisationen.

    Die CONTIOCAP („Coordinadora Nacional de Defensa de Territorios Indígenas Originarios Campesinos y Áreas Protegidas”), die durch den institutionellen Block internationaler Rechte und Rechtsprechung geschützt wird – wie der Universellen Erklärung der Menschenrechte, Übereinkommen 169 der ILO (Internationale Arbeitsorganisation), der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte indigener Völker und der Verfassung des plurinationalen Staates Bolivien – ist die Vereinigung von uns indigenen Völkern und Landwirten.

    Vor der systematischen Zerstörung unserer Territorien, auf denen unsere Quellen eines Lebens in Würde liegen, und vor dem Hintergrund der Verletzung all unserer Rechte verteidigen wir unsere Territorien gegen die Gewalt, mit der uns der Extraktivismus von unserem Land und selbst aus unserem Leben vertreiben will.

    Bolivien, 3. September 2019

    „Für das Territorium kämpfen heißt für das Leben kämpfen.”

Die Partnerschaft

Die Bolivienpartnerschaft des Bistums Trier schlägt Brücken zur Kirche in Bolivien und zu vielen Kooperationspartnern im Land. Die bolivianischen Partner sind engagiert in Kinder- und Jugendprojekten, in der Förderung von Pfarreien und pastoralen Initiativen; sie beteiligen sich an der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen wie der sozialen Entwicklung und der Schöpfungsverantwortung.

Die Bolivienpartnerschaft ist zu einem Profil-Element des Bistums Trier geworden. Konkrete Solidarität, gemeinsames Eintreten für globale Gerechtigkeit und viele Begegnungen auf Augenhöhe sind Wege des gemeinsamen Engagements unserer Kirchen.

Die Partnerschaft ist eine Einladung.